48 h Neukölln
vom 04.07.2026 – 05.07.2026
Prinzessinnengarten im Neuen St. Jacobi Friedhof
Hermannstraße 99-105, 12051 Berlin
Öffnungszeiten:
Samstag und Sonntag 12:00 – 19:00
OUT / SIDE / IN – Eine Sitzordnung
Am Wochenende nehmen 1.400 Künstler*innen aus aller Welt an 48h Neukölln teil. CAROLA THIELECKE UND THILO SEIBT SIND DABEI!!! Das Festival, das seit 28 Jahren lebendige Kunst in diesem Berliner Bezirk präsentiert, erstreckt sich auf 370 Veranstaltungsstandorten. Carola Thielecke und Thilo Seibt sind Teil des offiziellen Festivals. Ihre Mitmach-Aktion findet in den Prinzessinnengärten statt. Wer auf den Plan schaut wird feststellen, dass ringsherum viele weitere Aktionen stattfinden. Also kommt vorbei und genießt einen kunstvollen Rundgang durch die Tiefen von Neukölln.
Das fotografische Projekt untersucht Berlin als politischen Raum der Zugehörigkeit, in dem Identität nicht über Herkunft allein, sondern über soziale, kulturelle und affektive Zuschreibungen verhandelt wird. In einem temporär errichteten Fotostudio werden Besucherinnen eingeladen, auf einer Bank Platz zu nehmen – einem Ort des Ankommens und der Positionierung. Die Sitzordnung markiert eine symbolische Grenze: Die rechte Seite steht für jene, die sich als Berliner*innen verstehen, die linke für jene, die sich als Nicht-Berliner*innen begreifen.
Diese räumliche Setzung verweist auf Berlin als Stadt permanenter Aushandlung: Wer gehört dazu, wer bleibt außen vor – und wer entscheidet darüber? Die Grenze ist bewusst einfach gehalten und macht sichtbar, dass politische Zugehörigkeit oft an scheinbar banale Gesten und Selbstzuschreibungen geknüpft ist. Nach dem Porträt notieren die Teilnehmenden ihren Geburtsort sowie die Dauer ihres Aufenthalts in Berlin. Diese Informationen fungieren nicht als Beweis, sondern als Kontrast zur gewählten Selbstverortung.
Die Porträts werden unmittelbar präsentiert, getrennt nach der subjektiven Zuordnung als „Berliner*in“ oder „Nicht-Berliner*in“. So entsteht eine visuelle Kartografie der Stadt, die nicht administrative Grenzen abbildet, sondern individuelle Positionierungen innerhalb eines politisch und historisch aufgeladenen Stadtraums.
Thilo Seibt ist in Berlin geboren und lebt fast sein ganzes Leben hier. Carola Thielecke ist als Erwachsene zugezogen. Die Frage der Selbstidentifikation ist daher für die Künstler*innen in unterschiedlicher Weise relevant.
Das Projekt macht Berlin als Ort sichtbar, an dem das „Außen“ stets im „Innen“ eingeschrieben ist. Zugehörigkeit erscheint als fluider Prozess, der sich zwischen Migration, Alltag und Selbstbild formiert. Die Grenze wird dabei nicht als Trennung verstanden, sondern als produktiver Möglichkeitsraum, in dem städtische Identität immer wieder neu entworfen wird.
